04 Juli 2009

Afghanistan: Johnny Cash statt Militäroffensive

Im Radio kam gerade ein Bericht über die große Offensive der US-Streitkräfte im Süden von Afghanistan. Der Reporter verstieg sich in die Annahme, der großflächige Einsatz von Marines könnte die Lage beruhigen. Seit wann macht man sich mit Gewehrkugeln Freunde?

Mir kommt dabei eine andere Geschichte in den Sinn, über die ich kürzlich beim Googlen gestolpert bin. Gregory Warner ist Reporter beim öffentlichen Radio in New York und war vor geraumer Zeit in Afghanistan. Warner reist immer mit seinem Akkordeon - es öffnet Türen.

Als er bei einem Treffen ein Lied aus seiner/unserer Jugend - "Those were the days" von Mary Hopkins - spielte, fragte ihn sein Übersetzer: "Woher kennen sie afghanische Folklorelieder?"

Der Kick: Afghanistan - und vermutlich viele andere Länder auf der "Achse des Bösen" - haben eine lange Tradition, sich amerikanischer Kultur auf ihre Weise anzunähern. Schickt mehr Folksänger und Heavy Metal Bands statt Soldaten.

Hier Gregory Warner bei einem Konzert in Mazar-i-Sharif vor begeisterten Afghanen mit seiner Version von Johnny Cashs "Ring of Fire".

Labels: , ,

03 Juli 2009

Studie: Motorradfahren macht glücklich - manchmal ...

Die Ergebnisse einer spannenden Umfrage hat Goeffrey Miller von der University of New Mexico laut einem Bericht in der New York Times zusammen getragen. Er stellt 200 Personen folgende Aufgabe:

List the ten most expensive things (products, services or experiences) that you have ever paid for (including houses, cars, university degrees, marriage ceremonies, divorce settlements and taxes). Then, list the ten items that you have ever bought that gave you the most happiness. Count how many items appear on both lists.

Bei der Auswertung beider Listen tauchte auf: Ein Haus. Gute Ausbildung. Reisen. Elektronics / Computer / Internet. Und natürlich: Coole, teure Autos mit Kultstatus.

Was machte besonders glücklich? Essen mit Freunden. Alkohol. Camping-Zeugs. vierbeinige Freunde.

Wie sollen wir das interpretieren? Easy.

1. Kauf ein teures Fahrzeug, kann auch ein Motorrad sein.
2. Mache eine schöne lange Reise damit. Am besten mit guten Freunden.
3. Geh abends schon essen und trinke anständig, bevor Du dich ins Zelt zurück ziehst.

Aber irgendwie wussten wir das auch schon vorher, oder? Gute Fahrt in Italien, Freunde!

02 Juli 2009

Neuzulassungen: Mieses erste Halbjahr 2009

Die Junizahlen 2009 des Kraftfahrt-Bundesamtes sind raus; und sie sind nicht gut. Abverkäufe Zweiräder im Vergleich zum Vormonat -7,9 %, im Vergleich zum Juni 2008 -25,9 %.

Also Zeit, sich mal etwas Halbjahres-Statistik über die Lage der Moppet-Branche anzutun.

Ok, beißen wir uns durch:

Übersicht

Gesamtzulassungen alle Zweiräder 01/2009 bis 06/2009 - 93.575
Gesamtzulassungen alle Zweiräder 01/2008 bis 06/2008 - 103.589
Gesamt ein Minus von -11,9 Prozent in den ersten sechs Monaten - der Zeitraum also, in dem traditionell die meisten Fahrzeuge verkauft werden.

Krafträder

Schauen wir noch mal weiter auf das Segment, das uns interessiert: Krafträder. Und lassen Roller, Leichtkrafträder und Leichtkraftroller mal draußen vor.

Verkauft wurden im
Januar 2008 4.886, im Januar 2009 2.685 - also ein Minus von -45,05 %
Februar 2008 7.531, im Februar 2009 6.456 - ein Minus von -14,27 %
März 2008 16.717, im März 2009 15.595 - ein Minus von -6,71 %
April 2008 15,118, im April 2009 15.688 - ein Plus von 3,77 %
Mai 2008 13.295, im Mai 2009 10.414 - ein Minus von 21,67 %
Für den eigentlichen Motorradbereich heißt das: ein durchschnittliches Minus von 16,79 % in den ersten fünf Monaten.

Das heißt in der Praxis - die Händler da draußen haben jedes sechste Motorrad dieses Jahr nicht verkauft. (Die miesesten Käufer kommen übrigens aus dem Saarland - dort gingen die Verkäufe um 18,93 % zurück, in Mec-Pomm, wo es eh nicht so gut läuft, haben sich die Biker gesagt - is doch eh egal: nur -3,79 %.

Einzelne Marken

Zu den Herstellern, auch da gibt es Erkenntnisse von der Hersteller-Vereinigung IVM über die Verkäufe auf dem deutschen Markt in den ersten fünf Monate im Vergleich zu 2008. Suchen wir uns einige raus:

April 1.092 Fahrzeuge, +5,81 %
BMW 8.859 Fahrzeuge, -12,30 %
Buell 425 Fahrzeuge, - 17,95 %
Ducati 1.689 Fahrzeuge, -4,71 %
Harley 4.408 Fahrzeuge, +4,65 %
Honda 8.181 Fahrzeuge, -16,94 %
Husquarna 277 Fahrzeuge, + 191,58 %
Hyosung 192 Fahrzeuge, -40,56 %
Kawasaki 5.980 Fahrzeuge, +12,11 %
KTM 2.484 Fahrzeuge, -8,68 %
Moto Guzzi 556 Fahrzeuge, -12,60 %
MV Agusta 555 Fahrzeuge, -36,80 %
MZ 2 Fahrzeuge, -96,49 %
Suzuki 7.558 Fahrzeuge, -27,28 %
Triumph 2.323 Fahrzeuge, -2,35 %
Yamaha 5.629 Fahrzeuge, -17,56 %
Sonstige 227 Fahrzeuge, -55,92 %

Bitter insgesamt, Zahlen wie Minus -40,56 % bei MV und -96,49 % bei MZ (2 Fahrzeuge, zwei Fahrzeuge dieser Marke wurden dieses Jahr noch verkauft....) gehen ins Mark.

Highlights

Werfen wir zum Abschluß noch einen Blick auf die Spitzenreiter der ersten fünf Monate 2009. Welche Maschinen gingen gut weg? Natürlich die üblichen Verdächtigen:

1. BMW - R 1200 GS - 2.459
2. Kawasaki - ER-6n - 1.499
3. Honda - CBR Fireblade - 1.483
4. Honda CBF 600 S - 1.330
5. Yamaha - XJ6 - 1.265
6. Suzuki - 1250 Bandit - 1.180
7. Honda - CBF 1000 - 1.063
8. Honda - CB 1000 R - 924
9. Kawasaki - Z 750 - 870
10. Yamaha - YZF-R1 - 867

Segmentwandel?

Ob diese Verteilung so bleibt, ist eher unwahrscheinlich. Es gibt nämlich Trends in eine andere Richtung, die Wanderung innerhalb der einzelnen Motorradsegmente und Hubraumklassen.

Zuerst der Hubraum, verglichen mit 2008:

125 - 249 ccm, +142,37 %
250 - 499 ccm, -31,33 %
500 - 749 ccm, -8,57 %
750 - 999 ccm, -11,06 %
1000 - 1199 ccm, -26,56 %
1200 - 1399 ccm, -7,45 %

nun die Bauart, ebenfalls im Vergleich zum Vorjahr:

Allgemeiner Verlust - -11,66 %
Enduro -19,33 %
Klassik -17,85 %
Sport -5,02 %
Supersportler -15,53 %
Tourer -1,35%

Was könnte das in Zukunft nun heißen? Vielleicht dies:

1. Die Zeiten sind schlecht, aber es wächst eine Schicht von jungen Motorradfahrern nach, die neben dem Roller auch die 125er wieder entdecken.

2. Die alten Haudegen und Besserverdiener dagegen haben von der GS 1200 in absehbarer Zeit die Faxen dicke, und kaufen sich lieber einen luxuriösen Tourer. Den Klassiker haben sie ja schon in der Garage.

3. Die Supersportler werden auch älter, vernünftiger und müssen sparen. sie fahren ihre Mühle noch ne Weile und wechseln dann zu den Naked Bikes, weil man da die Frau mal mitnehmen kann. Oder sie kaufen gleich einen KIA.

Labels: , , , ,

Branchenkrise: Kawasaki schnallt den Gürtel noch enger

Nach dem de facto-Rückzug aus der MotoGP reduziert Kawasaki weiter die Mannschaft: In den USA werden nun drei Dutzend Mitarbeiter in amerikanischen Firmenniederlassungen von Kawasaki Motor Corp. USA entlassen.

Die Entlassungen kommen nur wenige Tage nach der Ankündigung, bei der anderen Tochter Kawasaki Motors Manufacturing insgesamt ein Viertel der Mitarbeiter ins Freie zu setzen - insgesamt etwa 320 von 1300 Angestellten.

Die Entlassungen wurden vom üblichen PR-Getöse begleitet. Man sehe sich gezwungen, auf die aktuelle Marktlage zu reagierern und die langfristige Profitabilität des Unternehmens im Auge zu behalten usw.: "According to a prepared statement from Takeshi Teranishi, president, the revised corporate structure will improve Kawasaki's ability to quickly respond to changes in the marketplace that affect its dealers and consumers." Das wird die arbeitslosen Kawa-Leute sicher trösten...

Labels: , ,

01 Juli 2009

Zwei Fotos sagen mehr als tausend Worte ....

Meine Incoming-Mailbox läuft über.

Leute schicken mir auch permanent Fotos zu. Die ich kommentieren und benutzen soll. Die einen machen Werbung für ihr Produkt, die anderen wollen mir zu Denken geben...

Ich stelle zwei aus der heutigen Ausbeute - das erste von Kreidler mit der Band Jennifer Rostock, das zweite aus dem Iran mit Polizisten in Zivil - einfach unkommentiert online .. vielleicht gibt's Euch zu denken.



Labels: , ,

E-Bikes: Brammo-Chef Craig Bramscher schaut in die Zukunft


Wir hatten darüber berichtet - das Enertia Elektro-Bike von Brammo - hat in einer aufgebohrten Rennversion beim ersten E-Grand Prix auf der Isle of Man vor zwei Wochen einen guten dritten Platz belegt.

In einem Interview mit Wes Siler, einem der Kollegen vom "Hell for Leather"-Blog hat nun der Mastermind von Brammo, Craig Bramscher, ausführlich erklärt, wie er sich die kommerzielle Zukunft seiner Firma so vorstellt: "Wir werden der nächste große amerikanische Motorrad-Bauer sein."

Hier der Link zum Feature-Interview (auf englisch...)

Der Blogwart, Foto (c) Hell for Leather Magazine

Labels: , , ,

25 Juni 2009

Branchenmessen: Paris 2009 abgesagt, Intermot 2010 auf neuem Termin

Auch an den Motorradmessen gehen die schwelende Finanzkrise und die mangelnde Kaufbereitschaft der Biker nicht spurlos vorbei: Die Motorrad- und Scootermesse „Mondial du Deux Roues“ in Paris ist erstmals in ihrer Geschichte abgesagt worden. Die Show sollte Anfang Oktober 2009 über die Bühne gegangen.

In der Branche wird erzählt, dass die Bereitschaft der Hersteller, Händler und Aussteller, sich einen weiteren teuren Auftritt ans Bein zu binden, gegen Null tendierte. Die Kosten sind immens: Ein einwöchiger großer Stand - etwa eine Mega-Präsentation wie der von Honda - verschlingt schnell einen sechst- bis siebenstelligen Euro-Betrag.

Die Show in der französischen Hauptstadt soll nun ersatzweise im Herbst 2010 stattfinden. Ob dies ein guter Termin ist, darf bezweifelt werden. Zur annähernd gleichen Zeit finden auch die Leitmessen in Mailand (EICMA) und Köln (Intermot) statt, wobei die Kölner Veranstalter bereits jetzt den Termin verlegt haben, um sich mit Mailand nicht ganz in die Quere zu kommen. Die Intermot wurde um eine Woche auf den 6. bis 10. Oktober 2010 vorgezogen.

Ob das reicht, bleibt abzuwarten: Auf der letzten Intermot bezweifelten viele Aussteller im persönlichen Gespräch, ob die jährliche EICMA auf Dauer zu halten sei. Es würde, so der Tenor, viel mehr Sinn machen, auch der EICMA einen zweijährlichen Rhythmus zu verpassen, und die italienische Show im Wechsel mit dem deutschen Highlight zu veranstalten.

Labels: , , , , ,

23 Juni 2009

Benefiz-Tour: Berlin-Mongolei und zurück für einen guten Zweck

Ok, moto1203 war jetzt gerade zehn Tage mit der Multistrada auf der Isle of Man - wie man an der Reportage weiter unten sofort erkennen kann.

Aber gegen diesen Mega-Trip sind die Meilen über britische Landstraßen gar nichts: Der Pressesprecher von Alba Berlin fährt in vier Wochen rund 20.000 Kilometer von Berlin nach Ulan Bator in der Mongolei und zurück. Starten will Axel Bahr auf einer GS 1200 am kommenden Samstag.

Die Tour an sich ist ja schon ungewöhnlich, aber Bahr als gewiefter PR-Mann hat die Öffentlichkeitsmaschine für einen guten Zweck angeworfen: Er will für jeden gefahrenen Kilometer 1 Euro an den Verein KINDerLEBEN überweisen - bisher steht der Spendentacho schon bei über 50 %, es ist an uns und euch, das Spendenziel von 20.000 voll zu machen.

Mehr dazu und ab Samstag der aktuelle Blog von Axel Bahr unter http://www.kilometer-fuer-kinderleben.de

Labels: , , ,

19 Juni 2009

Elektro-Grand Prix Isle of Man: Gentlemen, start your Batteries!


Den tragischen ersten Grand Prix für Elektromotorrädern gewannen indische Nobodys – mit Hilfe eines exzentrischen Engländers. Auch ein deutscher Starter kam überraschend aufs Podium.

Der Vater des Elektrorennsports trägt einen verlotterten Parka und geht gerne barfuss. Cedric Lynch aus Potters Bar bei London bindet seine grauen Strähnen zu einem schütteren Zopf und spricht in exakt jenem seltsam singenden Oberklassen-Englisch, das bei Monty Python-Sketchen für die meisten Lacher sorgt: “Meinen ersten Motor habe ich in den Siebziger Jahren gebaut, nachdem mir jemand ein Elektrobastelbuch geschenkt hat.“

Das Bürschchen mit dem hohen IQ hat seither den Lynch-Motor entwickelt, einen extrem kompakten und gleichwohl hoch effizienten Gleichstrom-Bürstenmotor. Wenig Gewicht und Wirkungsgrad über 90 Prozent - Lynchs Motor ist der heimliche Held unter den Startern beim ersten Grand Prix-Rennen für Motorräder ohne Verbrennungsmotorräder während der traditionsreichen TT Races 2009 auf der Isle of Man. Acht von 13 Teams, die an der Startlinie stehen, setzten auf Cedrics Lynchs Erfindung.

SLIDESHOW ZUR ELEKTRO GRAND PRIX BEI SPIEGEL ONLINE

Azhar Hussain, ein smarter Londoner mit pakistanischen Wurzeln, ist der Mastermind hinter dem TTX Grand Prix. Er hat die Veranstaltung aus dem Boden gestampft, sie bei der internationalen Motorsport Föderation FIM als eigene Klasse durchgeboxt, und den Widerstand der widerborstigen Inselbewohner gegen die Neuerung schwach geredet. Jetzt sind alle auf der Insel begeistert von der Sache; der Umweltminister des Eilands rühmt den Event: „Wir haben über Hundert Jahre Renntradition, aber mit dieser Innovation und diesem Rennen schreiben wir Geschichte.“ Das ist sicher Hussains Verdienst, aber auch er erkennt neidlos an: „Cedric ist der wahre Star.“

David gegen Goliath

Stars wären gerne auch andere. Etwa Michael Czysz, der aus Portland, Oregon gekommen ist. Er hat mehrere Jahre vergeblich versucht, ein Superbike „Made in the USA“ auf die Beine zu stellen. Im letzten September ist Czysz auf den E-Bike-Zug aufgesprungen. Er ist zwei Tage vor dem Start eingeflogen – mit großer Entourage und Westcoast-Pomp: Ein eigenes Filmteam soll den großen Auftritt festhalten.

Das kommt im Fahrerlager, wo die restlichen 16 Teams ihre Zelte aufgeschlagen haben, genauso schlecht an wie Czysz’ rabenschwarze Sonnenbrille und seine Pomade. Czysz und sein Bike – optisch ohne Zweifel eine Augenweide – residieren außerhalb an einem geheimen Ort.

Auch für die anderen amerikanischen Start-ups wie Brammo, Mission Motors und Electric Motors steht viel auf dem Spiel. Sie müssen ihre elektrischen Straßenmaschinen wie die Mission One promoten und haben viel Geld investiert: Brammo hat einen Sponsor-Deal mit der Kaufhauskette BestBuy und bereits über 10 Mio. US-Dollar in das Enertia-Bike gesteckt. Dennoch hat sie alle der „Racing Spirit“ angesteckt – auf der Grünfläche hinter der Hauptribüne, wo die Reifen-Trucks und die Wohnwagen der Fahrer für das Feld der TT-Rennen dicht gedrängt stehen, sind die E-Biker trotz völlig unterschiedlicher Budgets alle gleich.

Alle wollen gewinnen, im historischen Jahr eins des Elektrorennsports: die Studenten von der Brunel University, ihre Kommilitonen aus Kingston, die Österreicher vom Htblauva-Team und natürlich das ManTTX-Racing von der Insel selbst.

Indische Connection

Auch Kapil Shelke, Ketan Mhasawede und Krunal Nanavati vom indischen Team TORK sind wegen des Sieger-Pokals gekommen. Die drei Maschinenbau-Studenten aus Punai, allesamt Anfang Zwanzig, haben keinen Sponsor. Den Flug haben sie selbst bezahlt und die unzähligen Stunden, die sie in ihre Maschine gesteckt haben, zahlen sich nur in Form einer ansehnlichen Abschlussarbeit aus. Doch die drei Jungs sind zuversichtlich: „Wir schaffen das, wir haben vielleicht nicht die besten Batterien oder den besten Rahmen, aber mit John Crellin einen der besten Fahrer.“ Und eben Unterstützung durch den Favoriten, der beide Testläufe im Lauf der Woche in der schnellsten Zeit absolviert hat: Team Agni. Dessen Besitzer hat ihnen die Agni-Antriebsmotoren frei Haus geliefert.

„Ich kenne Cedric seit über zwanzig Jahren, mein Haus ist sein Haus,“ sagt Arvind Rabadia. Der geborene Londoner hat vor einigen Jahren den Hardware-Laden seiner Eltern im Eastend verkauft und damit Agni-Motors in Indien gegründet. In Gandhidham, eine Stunde von der pakistanischen Grenze entfernt, werden von zwei Dutzend Arbeitern Elektromotoren für Schiffe und Go-Karts in Kleinserie gebaut. Konstrukteur Cedric Lynch, den Rabadia beim Umzug gleich mit genommen hat, hat bei Agni eine Entwicklungs-Abteilung, aus der auch der speziellen Agni-Motor für den TTX Grand Prix stammt.

Die Rennmaschine, mit der Fahrer Rob Barber für Team Agni an den Start geht, ist auf den ersten Blick eine konventionelle Suzuki GSXR 750; Rahmen, Felgen und Bremssystem sind unverändert geblieben. Befeuert wird das rote Gefährt nach der TTX Grand Prix-Prämisse „zero carbon, clean emission“ allerdings verbrennungsfrei von zwei gekoppelten Elektro-Motoren, die das Hinterrad mit 42 PS antreiben. Die Motoren saugen die nötige Kraft aus 42 koreanischen Kokam Lithium-Polymer-Zellen mit 70 AH.

Vergessene Siemens-Ware

„Die Inder haben ein gutes Paket, das absolut auf die Isle of Man passt,“ sagt Thomas Schönfelder. Der Kasseler fährt TT-Rennen im siebten Jahren; er weiß, dass kaum ein anderer Kurs auf der Welt Fahrer und Maschine so viel abverlangt. Die „Mountain Course“-Strecke, auf der seit 1907 Motorradrennen ausgetragen werden, führt über rund 60 Kilometer vom Start in der Inselhauptstadt Douglas durch winklige Ortsdurchfahrten mit gemeinen Haarnadelkurven. Unebene Landstraßen mit fiesen Brücken führen über Ramsey hoch zum 427 Meter hohen Pass am Snaefell. Von dort geht es zurück zum Zieleinlauf in Douglas – insgesamt 225 Kurven, eine Tortur in Fast Forward ohne Auslaufzone. Leitungsmasten, Telefonzellen und Mauern, die die Strecke säumen, sind mit Heuballen notdürftig gepoltert.

Schönfelder ist mit Thomas Schuricht und Marko Werner von XXL Racing am Start. Das Trio aus Kassel hat rund 30.000 Euro aus den eigenen Taschen in das Low-Budget-Projekt gesteckt. „Nein, wir fahren keinen Agni-Motor, sondern einen wassergekühlten Siemens- Drehstrommotor in Verbindung mit Lithium-Mangan-Zellen“, sagt Thomas Schuricht. Eingepasst in den Rahmen einer alten Laverda, Baujahr 1996, bringt die XXL-Rennmaschine 45 KW – vergleichbar etwa 62 PS. Schuricht, der wie Marco Werner bei einem Bosch-Dienst gelernt hat und jetzt am Fahrzeugtechnischen Zentrum in Kassel unterrichtet: „Der Motor selbst könnte das Doppelte leisten, aber wir haben ihn bewusst gedrosselt, um das Maximale über die lange Distanz rauszuholen.“

Dass die Kasseler überhaupt antreten, liegt an den guten Beziehungen zu einem alten Siemens-Entwickler: Der Motorentyp wurde dort in den Neunziger Jahren entwickelt, aber verschwand im Regal. Schuricht schüttelt den Kopf: „Typisch für deutsche Großkonzerne. Erfinden tolle Teile, aber verwerten sind nicht.“ Beim TTXGP ist Siemens’ Altmetall, ohne Wissen der Zentrale recyclet, in Verbindung mit Schönfelders Erfahrung auf der Strecke die Überraschung: XXL liegt nach den Trainingstagen überraschend weit Vorn.

Surrend zum Sieg

Am Renntag scheint die Sonne; die Tribüne am Start ist voll besetzt. Zu den Rennen, immer Anfang Juni, kommen zehntausende Motorsport-Fans aus ganz Europa. Zusammen mit den Speed-verrückten Einheimischen bevölkern sich jeden Stehplatz an der Strecke. Der technische Inspektor witzelt: „Heute wäre auch ein Tag für Solar-Bikes, oder?“

Eine gemeinsame Startaufstellung gibt es bei der TT nicht, die Fahrer fahren gegen die Zeit. Sie werden im Abstand von 30 Sekunden auf die Strecke geschickt: Den Ruhm, als erste Fahrer bei einem offiziellen E-Rennen losgesurrt zu sein, heimst der Fahrer von Mission Motors ein. Auch Stefan Gulas mit den beiden Maschinen von Team eRockit in Berlin und das Einmann-Unternehmen Harald Gasse, der den einzigen Scooter gemeldet hatte, wären gerne an den Start gegangen. Technische Probleme. Gulas erkennt neidlos an: „Technik ist die deine Sache. Aber auf der Isle of Man bringt man die nur zum Laufen, wenn man auch das Rennsport-Knowhow hat.“

Das zahlt sich bei Thomas Schönfelder aus. Nach einem Drittel des Rennens – der schnieke Renner von Michael Czysz, das Experimental-Bike von Kingston und der hausgemachte Ducati-Agni-Klon vom ManTTX-Team sind bereits ausgefallen, liegt Schönfelder auf dem zweiten Platz. Dann fällt er plötzlich zurück, wird von einem der amerikanischen Brammo-Fahrer überholt. „ Das war volle Absicht. Auch bei E-Bikes braucht man die richtige Rennstrategie,“ sagt Schönfelder später. „Ich kenn doch die Strecke, in Ramsey vor den Bergen ist noch gar nichts entschieden.“

Schönfelder behält Recht, dass er Gas raus nimmt, und die Batteriereserven für die Steigungen durchs Hochmoor schont. Nach 29:04 Minuten fällt für XXL Racing die Zielflagge – zweiter Platz für Schöbfelder, sein erstes Podium bei der TT, und eine besondere Genugtuung: Der alte Siemens-Motor hat mit über 170 Stundenkilometer die höchste gemessene Geschwindigkeit erreicht.

Gewonnen haben wie erwartet die Inder: Die drei Punaier Studenten landen auf Platz 8, aber Team Agni mit Rob Barber im Sattel und dem getunten Motor von Cedric Lynch waren nicht zu schlagen. Siegerzeit 25:53 Minuten für 60,3 Kilometer, damit hat der erste TTXGP-Gewinner Barber den alten Rundenrekord für 50-Kubik-Maschinen gebrochen. Auch Thomas Schuricht ist begeistert: “Alle großen Teams aus den USA geschlagen, was will man mehr?“ Er ist sich nicht sicher, ob diese Chance jemals wieder kommt: “Nächstes Jahr werden die Karten komplett neu gemischt – andere Teams, effizientere Batterien und Motoren. Und unterm Strich höherer Geschwindigkeiten.“

Triumph und Tragödie

Mit Highspeed geht es zwei Stunden nach dem TTXGP-Zieleinlauf wieder zur Sache: Im Senior TT, dem letzten Rennen der diesjährigen Races über sechs lange Runden und 360 Kilometer, prügeln die Fahrer explosive 1000-Kubik-Maschinen über den Kurs. Auch John Crellin, der Pilot der TORK-Maschine, und TTXGP-Gewinner Rob Barber sitzen wieder im Sattel.

Bei Rennklassen wie den Superkibes oder dem Senior TT geht es für alle Fahrer trotz des brennenden Ehrgeizes, eine Plakette mit nach Hause zu nehmen, ums pure Überleben. Bei Spitzen über 280 Stundenkilometer müssen sie jederzeit damit rechnen, dass eine plötzliche Windböe sie von der Strecke oder in eine der Natursteinmauern wischt. Seit die TT im Jahr 1907 das erste Mal gefahren wurde, starben über 220 Starter. 2005, im schlimmsten Jahr, gab es neun Tote. Für Tony Brown, Chief Minister der Inselregierung, kein Grund zur Aufregung: „’Die Races sind Teil unserer Tradition. Und kein Fahrer wird gezwungen zu starten.“

Rob Barber, der strahlende Champion vom Vormittag, hat gegen die Werks-Superbiker wie John McGuinness oder Steve Plater keine Chance. Er landet nach dem ermüdendem Kampf durch das „Street Furniture“ – so nennen die Fahrer die Kanaldeckel, Risse und Unebenheiten in der Piste – mit acht Minuten Rückstand auf dem zwölften Platz.

John Crellin, mit 55 Jahren einer der TT-Veteranen, kommt in der fünften Runde nicht nach Douglas zurück. Kurz vor dem Pass am Snaefell stürzt er mit seiner Suzuki an der „Mountain Box“. An dieser Stelle haben die Fahrer in einer gezogenen Linkskurve über 200 Stundenkilometer auf dem Tacho. Crellin, der Einheimische aus Douglas, ist wohl sofort tot. Minuten, nachdem Crellin von der Strecke geschafft wird, geht das Rennen weiter.

Rob Barber passiert die „Mountain Box“ kurz nach dem Unfall. „Als ich vorbei kam, ist gerade der Helikopter gelandet. Schrecklich. Aber ist die Isle of Man. Jeder von uns weiß, auf was er sich hier einlässt – einen Moment nicht aufgepasst, und es kann dein letzter gewesen sein.“

Barber will nächstes Jahr seinen TTXGP-Titel verteidigen. Crellins Tod, der ist mit einer stillen Gedenkminute abgehakt. „Ich bin mir sicher, John starb glücklich und mit sich im Reinen. Es war ein großartiger Tag für ihn – er stand auf dem Siegerpodium heute morgen. Was kannst du mehr erwarten?“

Labels: , , ,

04 Juni 2009

Branchenkrise: Benelli schwer angeschlagen

Bereits am 20. März hatten wir berichtet, dass der italienische Hersteller Benelli trotz massiver Finanz-Infusion des chinesischen Eigners, der Qianjiang-Gruppe, derzeit nicht auf Rosen gebettet ist.

Die Lage ist wohl dramatischer als bisher angenommen."Der Plan war, dieses Jahr um die 5.000 Fahrzeuge zu verkaufen," sagte Gianluca Galasso, der frühere italienische Rennfahrer und heutige Benelli-PR-Chef. "Wir werden die Prognose wohl auf 1.000 Stück zurückfahren müssen."

Die Folgen vor Ort sind gravierend. Ein Teil der Belegschaft im Stammwerk Pesaro an der Adria-Küste sind bereits auf Kurzarbeit; in den nächsten Tagen und Wochen sind Meetings mit dem chinesischen Investor geplant, um über die Zukunft der Marke zu bescheiden.

Die Qianjiang-Gruppe, die im heimischen Markt über eine Million Stück Roller pro Jahr produziert, hatte Benelli 2005 gekauft und einen ambitionierten Plan vorgelegt - die Stückzahl verkaufter Maschinen sollten bis 2009 auf 20.000 gesteigert werden. Nach Schätzungen hat Qianjiang dafür bereits 35 Mio Euro nach Pesaro geschickt. Nun kommt womöglich das Aus.

Labels: , , , ,

03 Juni 2009

Neuzulassungen: Mai 2009 - auf dem Weg ins Sommerloch

Keine guten Nachrichten kommen gerade vom Kraftfahrt-Bundesamt. Nachdem sich die Verkaufszahlen von Zweirädern im April etwas berappelt hatten, folgte im gerade abgelaufen Mai der nächste Tiefschlag: 18.782 Zweiräder wurden verkauft - pralle 29,7 Prozent weniger als im Vormonat und 19,3 Prozent weniger als im Vergleichsmonat Mai 2008.

Die Hoffnungen aus dem April, der mit relativ erholten Zahlen die katastrophalen Monate Januar und Februar wieder fast wett gemacht hatte, haben sich damit nicht erfüllt.

Das Geld sitzt nicht mehr locker, die Taschen sind wie zugenäht, das bewiest auch der Blick auf die Ummeldungen, ein wichtiger Indikator auf den privaten Gebrauchtmarkt: 56.822 Fahrzeuge wechselten den Besitzer - ebenfalls -25,8 Prozent weniger als im April.

Der Statistik-Wart

Labels: , ,

02 Juni 2009

E-Bike Elmoto: Das schwäbische Stadt-Stromerle

Pedelecs sind Fahrräder mit Elektromotoren - leider sahen sie bisher meistens aus wie vom Orthopäden verschrieben. Zwei Stuttgarter Designer beweisen jetzt mit dem schnittigen Strom-Moped Elmoto, dass Öko-Zweiräder Stil haben und Spaß machen können.

Zugegeben: Ganz legal ist es nicht, mit Oliver Seme auf dem Kleinkraftrad über den Stuttgarter Schlossplatz zu brettern. Doch am Elmoto scheint sich keiner der Passanten in der Fußgängerzone zu stören. Beim Stopp an einem der In-Cafés wird der motorisierte Eindringling eher freundlich und neugierig beäugt: "Ja, das isch ja schick. Aber habt ihr kein Motorle?", fragt eine Frau mit Einkaufstüten und Kinderwagen im Schlepptau.

Natürlich hat das Gefährt einen Motor, erklärt Seme geduldig, aber eben kein konventionelles Verbrennungsaggregat: Das Elmoto, das aussieht wie eine Kreuzung aus Mountainbike und Motocrosser, säuselt wie eine Nähmaschine und wird von einem Akku und einem Elektromotor in der hinteren Radnabe angetrieben. Auch Seme, einer der Erfinder, hat noch Schwierigkeiten, seine Kreation einzuordnen: "Also ein richtiges Pedelec ist es definitiv nicht, aber auch kein Moped."

Aus Italien, wie ein anderer Betrachter zu wissen glaubt, stammt das Elmoto jedenfalls nicht: "Wir verbauen aus Kostengründen natürlich Technikteile und Batterien aus China und Taiwan", erklärt Oliver Seme. Aber die Idee, das Niemandsland zwischen Fahrrad, Elektroroller und Moped neu zu besetzen, komme ganz klar aus dem Ländle: "Alles schwäbisch!"

Zu gewagt für den Stromriesen

Genauer gesagt: aus der Stuttgarter Innenstadt. Dort sitzt im achten Stock eines Bürohochhauses die Design-Schmiede IPDD. "Wir haben vor ein paar Jahren einem großen Energieversorger vorgeschlagen, langfristige Stromverträge so ähnlich wie im Mobilfunkgeschäft mit einem coolen Produkt zu koppeln. Also kostenloses Fahrzeug statt kostenloses Handy", sagt Stefan Lippert, einer der Chefs von IPDD und die zweite treibende Kraft hinter dem Elmoto. Die Idee wurde abgelehnt. Lippert, ein im Süden eingebürgerter Norddeutscher, und Seme, den auch als IT- und Management-Consultant arbeitet, fingen an, das Fahrzeug auf eigene Rechnung zu entwickeln.

"Anfang 2008 hatten wir uns schon auf den Elektroantrieb festgelegt, sind aber noch ganz anderen Vorstellungen nachgegangen. Die ersten Entwürfe haben nach voll verkleideter Ducati gerochen", erinnert sich Lippert. Doch der kühlen Analyse der technischen Beschränkungen und einer klaren Definition möglicher Zielgruppen fiel nicht nur die Verkleidung zum Opfer: "Wir mussten radikal abspecken, weil wir drei Prämissen erfüllen wollten", sagt Lippert. "Das Elmoto sollte erstens möglichst leicht sein, dann möglichst charmant daher kommen und sich vor allem ohne zusätzlichen Führerschein so einfach wie ein Fahrrad bedienen lassen."

>> FOTOSTRECKE: Unterwegs mit dem Elmoto: Stuttgart unter Strom <<

Das Stuttgarter Profi-Tüftler-Team, inzwischen auf ein halbes Dutzend Mitarbeiter angewachsen, hat sein Ziel erreicht: Das Elmoto wiegt fahrbereit gerade einmal 50 Kilogramm. Der Akku wird hinter einer Plastikverschalung versteckt. Und der Prototyp, der zurzeit mit geringen Modifikationen im nahen Balingen in Serie montiert wird, fährt sich flott und leicht wie ein Mountainbike.

Der Lithium-Ionen-Batterieblock liefert bis zu zwei KW. Damit überwindet das Bike problem- und emissionsfrei die Höhenunterschiede, die in Stuttgart gang und gäbe sind. 65 Kilometer weit reicht eine Akku-Ladung bei gedrosseltem Tempo 45 (dem Versicherungskennzeichen und der Fahrerlaubnis L1E geschuldet), dann muss das Elmoto wieder für ein paar Stunden an die Steckdose. Kosten auf hundert Kilometer: je nach Strompreis um die 50 Eurocent.

Stilsicher abfahren zum Bäcker

"Klar ist das Elmoto auf die Ökozielgruppe zugeschnitten", skizziert Lippert sein Marketing-Konzept. "Und Elektro-Flitzer sind für die Fahrt zum Bäcker, die kurzen Wege ins Büro oder fürs Cruisen in die Innenstadt von den Kosten her nun mal erste Wahl." Aber ein Fahrzeug muss, das betont er immer wieder, auch Spaß machen und Emotionen bei den hippen Urbanisten wecken: "Wir wollen der rollende iPod oder der Smart auf zwei Rädern werden für die First Movers und die Väter, die erst zahlen, und sich dann von ihren Jungs das coole Spielzeug leihen."

Cool ist beim Elmoto allemal der Stil- und Komponentenmix: ein leichter Alu-Rahmen, hochwertige Mountainbike-Armaturen, Hydraulikscheiben-Bremsen von Magura, eine Gabel von Marzocchi, Doppel-Ölfederbeine hinten, spezielle Bereifung von Schwalbe - gelabelt werden die Teile in der ausgelieferten Version allerdings allesamt unter der Marke Elmoto. "Also das Beste aus den zwei Welten Mountainbike und Moped, damit kriegen wir die Leute", hofft Lippert.

Lippert und Seme konnten sich im vergangenen Herbst der Nachfragen von kaufwilligen Interessenten und potentiellen Investoren kaum erwehren. Mit der Finanzkrise hat sich der Wind gedreht. "Die Taschen sind wie zugenäht", sagt Lippert. "Keiner will zurzeit ins Risiko gehen." So steckt inzwischen fast ausschließlich privates Geld der Firmengründer im Elmoto. Seme gibt zu Protokoll, dass sie bis dato "der Gegenwert von drei netten Einfamilienhäusern" versenkt hätten. Die Schlaglöcher auf der Finanzierungsstrecke, die das Elmoto bisher zurückgelegte, haben auch die Auslieferung verzögert. Geplant war der März, inzwischen ist Ende Juni aktuell. "Wir ziehen das jetzt durch", gibt Seme fast trotzig zu Protokoll. "Dieses Jahr wollen wir noch hundert Stück verkaufen, 2010 soll es eine vierstellige Zahl werden."

Damit das klappt, wollen Lippert und Seme beim Verkauf einen besonderen Weg einschlagen: über den Fahrradhandel. "Das Elmoto ist das logische Aufsteigermodell im Fahrradladen, wo für ein handgefertigtes Rad schon 3000 bis 4000 Euro auf den Tisch gelegt werden", sagt er.

Zudem sei man mit diesem Vertriebskanal näher in der Innenstadt - wo das Elmoto für Furore sorgen soll. Klar wolle man auch Motorradhändler beliefern, die in der Regel aber weit ab vom Schuss im Industriegebiet sitzen: "Und wenn man ehrlich ist - der hart gesottene Motorradkunde, für den ist das Elmoto im besten Fall eine Zweitfahrzeug."

Jochen Vorfelder

Labels: , , , , , ,

27 Mai 2009

Elektro-Racer: Isle of Man fährt grün mit TTXGP

Sie geht mit der Zeit, die Mutter aller Motorradrennen: Bei der 102. Auflage der TT Races auf der Isle of Man steht außer den traditionellen Wettfahrten ein Lauf mit emissionsfreien Bikes auf dem Programm. 23 Elektro-Maschinen sind gemeldet - darunter auch zwei deutsche Exoten.

Auf der Isle of Man, wo seit mehr als hundert Jahren in der ersten Juli-Woche schwere Motorräder dröhnen und sich Fahrer mit Vollgas durch enge Dorfdurchfahrten winden, säuseln bei der diesjährigen Auflage des Klassikers erstmals auch Elektro-Racer. Am 12. Juni findet auf dem traditionellen Mountain-Rundkurs über 60 Kilometer ein Rundenrennen mit streng reglementierten Maschinen statt.

Die wichtigste Regel lautet "non-carbon": Verbrennungsmotoren sind verboten, die Alternativen müssen "emissionsfrei" sein. Azhar Hussain, der clevere Londoner Unternehmer, der den grünen Grand Prix ins Leben gerufen hat: "Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass Zündkerzen bald der Vergangenheit angehören."

Elektro also, kein Qualm von verbranntem Öl, kein Kreischen von hochgezüchteten Rennaggregaten - zumindest bei dieser E-Wettfahrt. Die traditionellen Rennen der Superbikes und Privatfahrer ziehen sich über eine ganze Rennwoche hin - davor graust vielen Fans und Inselbewohnern.

Insulaner wollen selbst gewinnen


Doch die Veranstalter des mörderischen Spektakels, das jährlich Todesopfer fordert, finden den neuen TTX Grand Prix spannend und zukunftsweisend. "Eine phantastische Verbindung unserer Tradition mit den Herausforderungen neuer Technologien, was will man mehr", sagt John Shimmin, Umweltminister des Eilands zwischen Großbritannien und Irland. Shimmin gibt am 12. Juni nicht nur den Startschuss für den weltweit ersten Rennlauf mit emissionsfreien Rennmaschinen, sondern schickt auch ein eigenes Insel-Team namens ManxTT Racing ins Rennen.

Mit geballten Ambitionen: "Wir machen das nicht nur, weil wir den Planeten retten können. Wir wollen auch gewinnen", sagt Keith McKay, Team-Leiter bei ManxTT Racing.

Die Insulaner stoßen auf harte Konkurrenz von 16 Teams - allesamt mit Elektroantrieb. Vertreten sind Bikes aus Österreich, Italien und Indien, aber auch neun Starter aus den USA. Darunter etablierte E-Firmen und Hersteller wie Mission Motors, Electric Motor Sports, MotoCzysz und Brammo, aber auch Bastler-Teams wie KillaCycle.

Sie messen sich vor allem mit den britischen Teams von EVO Design und den Maschinen, die vom Londoner Imperial College, der Kingston University und der Brunel University ins Rennen geschickt werden.

Mit Laverda und einem technischen Kniff

Gegen die geballte US-Kraft und das wissenschaftliche Know-how der Londoner Unis setzt das XXL-Racing-Team aus Kaufungen in Nordhessen Entschlossenheit und Muskelmasse. Thomas Schönfelder, ein erfahrener Isle-of-Man-Racer, hat zusammen mit einem Elektronikspezialisten und einem Software-Entwickler eine betagte Laverda so umgebaut und mit Akkus bestückt, dass das Schwergewicht seine Höchstgeschwindigkeit "weit über 200 km/h" auf der gesamten Rundendistanz halten könne. Schönfelder zum Konzept: "An den Kraftreserven wird's nicht mangeln. Selbst die Bremsenergie wird in die Batterie zurückgespeist."

Das E-Rockit-Team aus Berlin will dagegen mit zwei völlig verschiedenen Maschinen in Douglas an den Start. Die E-Rockit, bei der Fahrer Rigo Richter mit Fahrradpedalen über den 60-Kilometer-Kurs strampelt, ist das Serienmodell der Kreuzberger Manufaktur - eine knapp 30.000 Euro teure Mensch-Maschinen-Hybrid-Kreation, die in dem hochkarätigen Starterfeld keine Chancen auf einen der vorderen Plätze hat. Sie läuft nur so schnell, wie Richter in die Pedale tritt. Erfinder Stefan Gulas ficht das nicht an. Ihm geht es vor allem um die Werbewirkung. "Dabei sein im ersten Feld ist alles."

Anders der zweite E-Racer, den Gulas mit Fahrer David Madsen-Mygdal an den Start bringt: Er ist im Vergleich zur massiven Laverda von Schönfelder ein schmales Leichtgewicht, und könnte deshalb ein Titelanwärter sein.

Einen "über 16 Kilowatt starken Motor" haben Gulas und sein Team dafür in einen Aprilia-Rennrahmen verbaut und das Gefährt mit einem technischen Kniff noch schneller gemacht. So weit bisher auszumachen, ist die E-Rockit-Aprila der einzige E-Starter mit einem Schaltgetriebe. "Wir sind gut genug, um für eine Überraschung zu sorgen", meint Stefan Gulas.

(c) Jochen Vorfelder

Labels: , , , ,

25 Mai 2009

Libanon: Wo die deutschen Heizungsbauer abwracken

Was woanders auf den Schrottplatz soll, wird in Beirut noch meistbietend verscherbelt. Dass bisher viele der Rostlauben aus Duisburg, Hamburg oder Berlin kamen, ist nicht zu übersehen.

Maen Helwe sagt, er liebt die Deutschen: „Sehr gute Autos, perfekt für mich und meinen Bruder.“

Helwe betreibt an der Corniche, der Strandpromenade von Beirut, eine florierenden Automobilhandel. Sein Bruder leitet die prosperierende Zweigstelle in den südlichen Hisbollah-Vororten. Auch dort ist gut Geld zuhause und gelegentliche Luftangriffe – wie die israelischen vom Jahr 2008 – hinterlassen Totalschäden und den Wunsch nach einem Neuwagen. Doch neuerdings haben die Helwes Stress mit ihrem deutschen Lieferanten und den Nutzfahrzeugen – wegen der Abwrackprämie. Der Nachschub bleibt aus.

FOTOSTRECKE MIT DEUTSCHEN ROSTLAUBEN BEI SPIEGEL ONLINE

Die Helwes haben deshalb ihr Sortiment weiter in Richtung Nobelkarossen umgestellt. Ein Onkel hat einen während des Bürgerkriegs ausgewanderten Schulfreund in den USA kontaktiert. Der organisiert jetzt den Nachschub an Lexus, Hummers, großen BMW7ern und Benz-Limos. Sie sind bei Hisbollah-Funktionären, fundamentalistischen Schiiten, sektiererischen Drusen und christlichen Maroniten gleichermaßen beliebt.

Noch vor fünf oder sechs Jahren war der Helwesche Autohof fast ausschließlich mit Importen aus Deutschland voll. Sowohl das Luxussegment als auch das Lieferwagen-Geschäft mit ihrem Mann in Hamburg hat sich rentiert. Der Euro stand so schlecht zum Dollar, dass durchgerostete Käfer, Benz-Limousinen und schrabbelige Lieferwagen in rauen Mengen über Hamburg oder Bremerhaven verschifft wurden. Jeder noch so alte Fiat Ducato, Renault Rapide und sogar rare VW-Pritschenwagen wie der von Dachdecker Prehn aus Lübeck fand einen Abnehmer. Halwe weiß aus langjähriger Erfahrung: „Man kann jedes Auto noch verkaufen, das hängt nur vom Preis ab.“

Wie gesagt, Halwe liebt die Deutschen und ihre Autos. Doch mit dem Höhenflug des Euro bis auf zeitweise 1,60 Dollar wurden Einkäufe auf dem amerikanischen Markt interessant. Halwe ist da ganz Geschäftsmann, und als solcher kann man sich in der Levante keine Sentimentalitäten leisten: „Wir kaufen da, wo wir die günstigsten Angebot finden.“ Auch wenn der Euro momentan wieder etwas schwächelt: Die Preise sind zur Zeit sensationell auf dem amerikanischen Markt – die Zahl derer zwischen Boston und Frisco, die ihre teuren SUVs und V8-Limousinen aus purer Not abstoßen müssen, ist riesig.

So sind die alten Deutschen vom Hof gekommen, fast neue Amis werden verkauft. Aber Autohändler Helwe wäre kein richtiger Libanese, wenn er nicht ein Quäntchen Wehmut zulassen und den alten Zeiten nachtrauen würde: „Vor allem die deutschen Transporter haben wir gerne verkauft. Die hatten immer so schöne bunte Aufschriften. Was bedeutet eigentlich Heizungsbau?“

Labels: , ,

15 Mai 2009

E-Motorrad: Zero Motorcycles kommt ab Juli nach Deutschland

Der amerikanische Hersteller Zero Motorcycles drängt in den deutschen Markt für E-Straßenbikes. Das Zero S ist voraussichtlich Anfang Juli in Deutschland lieferbar und kann ab sofort über den Onlineshop auf www.zeromotorcycles.com bestellt werden.

„Es war von Anfang an unser Ziel, ein leistungsstarkes Elektromotorrad für den Straßenverkehr zu entwickeln, das die Branche grundlegend verändert. Das Zero S ist ein faszinierendes Motorrad, das mit jeder Straße, jedem Hügel und jedem Hindernis spielend fertig wird“, sagt Neal Saiki, Erfinder und Gründer von Zero Motorcycles. „Das Zero S vereint Leistungsstärke mit komplett elektrischem Antrieb.“

Entwickelt für ein leichtes Manövrieren im Stadtverkehr und für gelegentliche Fahrten abseits der Straße verfügt das Zero S über maximale Beschleunigungskraft. Ein leichtgewichtiges Design sorgt für ersataunliches Leistungsgewicht, das die Reichweite und die Fahreigenschaften des Motorrades stark verbessert. Dank seines geringen Gewichts mit lediglich 102,1 Kilogramm hat das Zero S eine Reichweite von bis zu 97 km und eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 100 km/h.

Das Zero S wird von einem schadstofffreien Lithium-Ionen-Akku angetrieben. Wie fast alle verwendeten Materialien der Zero S ist auch dieser komplett recyclebar. Die deponiefähige Batterie braucht weniger als vier Stunden zum Aufladen und muss dazu an eine Standard 110 oder 220 Volt Steckdose angeschlossen werden. Das Zero S verursacht bei der Nutzung keine Emission und ist zudem ökonomisch sinnvoll mit Betriebskosten von weniger als 1 Cent pro Kilometer.

Der voraussichtliche Preis für die Zero S liegt bei circa 9.900 Euro zusätzlich Versand aus den USA.

Labels: , , , ,

12 Mai 2009

E-Bikes: Frankfurter Solartankstelle bewährt sich

Die erste Solar-Tankstelle in Frankfurt, die Ende März den Betrieb aufgenommen hat, wird von den Fahrern der Frankfurter Velo-Taxis und E-Rollern gut angenommen. Nach den Eindrücken der ersten Wochen - mit überwiegend Sonnenschein - hat sich die Zahl der Kunden stabilisiert. Die Steckdosen, so ein Mitarbeiter der traffiQVerkehrsinsel, seien in der Regel immer belegt.

Frankfurts erste Solar-Tankstelle unterstützt nicht nur die beliebten Velo-Taxis. Auch Schülerinnen und Schüler können die Batterien ihrer E-Scooter laden, während sie auf der Zeil bummeln. Auch Fahrräder mit Elektrohilfsmotor – so genannte Pedelecs – oder Segways können an den beiden Zapfsäulen im Stil der 60-er Jahre andocken.

In die stilisierte Retro-Tanksäulen-Anlage sind sechs Steckdosen integriert, an denen während der Öffnungszeiten der Verkehrsinsel (Mo bis Fr 9.00 – 20.00 Uhr und Sa 9.30 – 18.00 Uhr) Elektrofahrzeuge angeschlossen werden können. Überschüssiger Strom wird ins Netz der Mainova AG eingespeist und auf 20 Jahre hinaus mit 43 Cent pro Kilowattstunde vergütet.

Der E-Wart

Labels: , , ,

07 Mai 2009

Branchenkrise: "MOTORRAD" streicht Redaktion zusammen

Es war abzusehen: Die Krise in den Magazin-Verlagen - sowohl bei Spiegel, Gruner + Jahr als auch bei den anderen Branchen-Größen - hat mit fallenden Anzeigenerlösen jetzt auch die Häuser der Special-Interest-Publikationen erreicht.

Der Mediendienst Kress berichtet heute, dass der Motor Presse Stuttgart (MPS) seinen Standort Berlin schließt und erhebliche Stellen im Mutterhaus Stuttgart streicht. 42 Mitarbeiter sollen insgesamt gehen.

Die in Berlin produzierten Titel AutoStraßenverkehr und 4Wheel Fun werden ab sofort von einer zentralen Redaktion in Stuttgart produziert, die von Bernd Ostmann, Chefredakteur von auto motor & sport, geleitet wird.

Auch die Zweirad-Titel wird es sofort treffen: Sowohl bei MOTORRAD, bei PS, bei 2Räder (Hat das jemals jemand gelesen?) und Motorrad Classic fallen Stellen weg.

Nach dem Bericht bei Kress trifft es bei MOTORRAD vor allem das mittlere Redaktions-Management - beim Verkaufsführer am Kiosk soll die zweite Hierarchie-Ebene komplett wegfallen, aus acht "Ressorts" drei "Einheiten" werden.

Die Gründe für den personellen Aderlass sind laut Kress vor allem in "der Wirtschafts- und Werbekrise" zu suchen - das deckt sich mit unserem Erfahrungen: In Gesprächen mit den Herstellern hat sich schon seit längerem angedeutet, dass der Sinn von ganzseitigen Magazin-Anzeigen, deren Reichweite und Erfolg in Form von Umwandlung ihttp://www.blogger.com/img/blank.gifn Käufer schwerlich messbar ist, immer stärker angezweifelt wird.

Statt dessen setzen die Werbekunden und Hersteller auf nachvollzieh- und messbare Aktionen wie Werbemaßnahmen auf dem Internet und direkte Kundenansprache bei ihren Stützpunkt-Händlern (siehe Triumph), also am so genannten POI (Point of Sale).

Auch Aktionen wie Einsteiger-Trainings in Zusammenarbeit mit dem ADAC (Honda) oder Fahrtraining-Wochenenden (Harley-Davidson/Robinson Club) sind offensichtlich viel versprechender als die kontinuierliche Übergabe von nicht unerklecklichen Summen für DIN-A4-Bildchen, die schlichtweg überblättert werden und im redaktionellen Umfeld untergehen.

Doch nicht nur der Anzeigen-Markt bei MOTORRAD bröckelt: Das Magazin setzt aktuell 135.850 Exemplare pro Monat ab. Im Fünf-Jahres-Trend bedeutet dies ein aktuelles Minus von 20 Prozent. Hier der Link zur aktuellen Verkaufsstatistik.

Der Medienwart

Labels: , ,